Archiv der Kategorie 'Antifa'

Erneuter Naziüberfall in Weinheim

Ein Beispiel für die derzeitige Entwicklung in der Region

Am Freitag, den 27.03.09 überfielen 10-15 vermummte und bewaffnete Nazis eine Gruppe Jugendlicher, die auf dem Weg zu einer Abiturfeier im Cafe Central waren. Die jungen Menschen wurden als „Zecken“ bezeichnet und mit Fäusten und Metallstielen angegriffen, außerdem wurden auf den Platz des Cafe Central 2 Rauchbomben geworfen.
Dieser Überfall reiht sich ein in eine Liste von Naziaktionen und Angriffen, die in der letzten Zeit stattfanden. So wurde Anfang dieses Jahres, zeitgleich mit einer antifaschistischen Demonstration „gegen Nazis und Ihre Läden“ in Ludwigshafen, ein als linksgerichteter Laden in Mannheim überfallen. Ein Mob von 30-40 Nazis stürmte damals, mit Ketten und Baseballschlägern bewaffnet, den Laden und hinterließen in massiv zerstört. Auch ein Übergriff auf die Menschen an der Theke konnte durch eine schnelle Flucht nur mit Glück verhindert werden.
Nur eine Woche später wurde der LinksTreff in Darmstadt von Nazis mit Pflastersteinen überfallen (der LinksTreff wurde schon Ende2008 von Nasen beschmiert). Die Vermutung, dass der Angriff eine Reaktion auf eine antifaschistische Demonstration in Heppenheim gewesen sei, liegt nahe, wenn man den Blick eine Woche zurück nach Ludwigshafen und Mannheim schweifen lässt. Jedoch versuchen Nazistrukturen ohnehin in Darmstadt Fuß zu fassen. Am 15. März gab es einen spontanen Aufmarsch von 20 vermummten Nazis in der Darmstädter Innenstadt. Solche und weitere Aktionen werden mit der im Mai 2008 erstmals öffentlich in Erscheinung getretenen „Kameradschaft Darmstadt“ in Verbindung gebracht, die auch mit zahlreichen Flugblattaktionen in der Region schon antifaschistische Aufmerksamkeit erlangen konnten. Die Demonstration in Heppenheim fand den auslösenden Höhepunkt in mehrmaligen Übergriffen vermummter Nazis auf Aktivistis in Heppenheim, Bensheim, Viernheim und weiteren Orten und Städten der Region. Selbst beim Werben für diese Demonstration wurden Aktivistis durch die Straßen Heppenheims gehetzt.

Auch Weinheim, Ort einer der jüngsten bekannt gewordenen Naziüberfälle, fiel in letzter Zeit wieder stärker auf. Jugendliche aus Weinheim erzählten, dass der Platz vorm Getränkeladen, in der Nähe des Weinheimer Hauptbahnhof und der Haltestellen Luisenstraße/Bahnhof, seit Ende letzten Jahres und Anfang dieses Jahres wieder regelmäßig Nazis (meist morgens) Anlaufpunkt bietet. Dort fallen sie besoffen grölend und pöbelnd, aber vor allem aggressiv auf. Schon Ende 2007 wurden alternativ wirkende Jugendliche von 15 vermummten Nazis angegriffen, nachdem diese für die Nazis auffällig wurden, da sie sich wissend und kritisch zu der Nazikleidungsmarke Thor Steinar äußerten. Schon die Wochen davor waren für die Region alles andere als nazifrei, wenn man an die gewalttätigen (von den bekannt gewordenen) Übergriffen in Mannheim, Ludwigshafen und einem Bus nach Heidelberg erinnert, die sich alle in dem November und Dezemberwochen 2007 ereigneten. Auch ansonsten sind die Nazis hier in der Region sehr aktiv. Das Aktionsbüro Rhein-Neckar organisierte regelmäßig Naziaufmärsche zum 1.Mai, die sich unter anderem mit massivem Protest konfrontiert in Weinheim, Ladenburg, Heppenheim und Worms abspielten. Im April 2008 wurden sogar spontan zwei Kundgebungen in Ludwigshafen und Mannheim organisiert, sowie ein spontaner Naziaufmarsch in Speyer. 2007 fand ein spontaner Aufmarsch am „Rudolph-Hess-Tag“ statt, sowie ein Fackelmarsch durch den Viernheimer Wald. In Viernheim und Heppenheim wurden Konzerte veranstaltet, die größtenteils ohne große öffentliche Resonanz von Statten gingen, erst spät aufgelöst wurden (wenn überhaupt) und selten ein Nachspiel für die Nasen hatten. Auch das Kneipenleben wird immer mehr von Nazis ohne Kritik oder Widerstand, sogar eher mit kundenfreundlicher Akzeptanz dominiert, sodass sie beinahe ungestört manche Kneipen zu „deutschen Kneipen“ erklären können und jeden Menschen der nicht in deren rassistisches und faschistisches Weltbild passt „ihres Platzes verweisen“ können. Außerdem wird den Nazis öffentlich Raum geboten sich zu treffen, zu strukturieren und zu organisieren. Es entstehen immer mehr Kneipen und Lokale, von denen man immer fester davon ausgehen kann, dass dort Nazis und Nationalisten anzutreffen sind und man nicht selten deren Gewalt zu spüren bekommt. So wurde zum Beispiel die Antifa-Demo in Heppenheim Anfang des Jahres von Nazis provoziert, die aus dem gleichen Lokal stammten, wie die Nazis, die ein paar Tage zuvor die Aktivistis, die für die Demonstration warben, überfielen. Als weiteres Beispiel ist das Lokal „Stern“ zu nennen, das sich in einer Passage der Viernheimer Innenstadt befindet. Jugendliche aus der Stadt berichteten von mindestens drei Übergriffen im Jahr 2008.
Weiter ist in den kleinen wie den großen Orten der Bergstraße das Straßenbild von Aufklebern der „Heimattreuen Bewegung“ beherrscht oder mit anderen Propagandamaterialien der lokalen Nazistrukturen zugemüllt.
Die Behörden beschränken sich bei Konfrontation mit solchen Zuständen auf repressive Maßnahmen gegenüber engagierten Antifaschistinnen und Antifaschisten und bauen auf eine Verharmlosung des Naziproblems. Außerdem wird ja mit Lokalpatriotismus, Deutschtümelei, Nationalismus und Hetze gegen Migrantinnen und Migranten auf der gleichen Schiene gefahren. Nazis mit Nadelstreifen halt.

Diese kleine Zusammenfassung mit Beispielen des regionalen Naziproblems ist bei weitem nicht vollständig und man darf auf keinen Fall davon ausgehen, dass alle Übergriffe und Aktionen öffentlich gemacht werden (vermutlich sogar nur ein sehr kleiner Teil). Noch wichtiger ist es aber anzumerken, dass Rassismus und Xenophobie systeminbegriffen sind, d.h. vom System Tag für Tag reproduziert werden. Allein die hierarchische und ausgrenzende Ordnung unserer Gesellschaft und vor allem deren alltägliche Reproduktion bieten Nazis, Rechtspopulisten und anderen Xenophoben, Autoritätsverliebten und Faschisten die Basis, an der sie immer wieder versuchen anzusetzen. Darüber hinaus stellt dies eine Gutheißung der Verhältnisse sowie der daraus entspringenden Übergriffe dar.
Jetzt, in Zeiten einer in Bewusstsein des Menschen rückenden Krise, müssen wir als Bewegung bei den Gedanken der Menschen ansetzen und verständlich machen, dass der Kapitalismus, das System die Krise ist und gemeinsam die propagandistische Infiltrierung der Reaktion mit Theorie und Praxis, Aufklärung und Wut bekämpfen. Möglichkeit bietet sich wieder am 1.Mai in Mainz und speziell in Weinheim am 21. Mai, wenn an die 1000 Burschenschaftler des WSC wieder durch die Straßen marschieren und ihre fremdenfeindliche, autoritäre und deutsch-nationalistische Gesinnung an die Öffentlichkeit tragen und die Stadt Weinheim ihnen noch einen Festempfang in der Altstadt beschert, die Kneipen an den elitären Nationalisten wieder ihr Geld gerne verdienen und diese dann nach „traditionsbewusstem Besäufnis“ wie 2007 Jugendliche, die nicht in ihr Weltbild passen angreifen. Aber auch sonst muss es heißen: Widerstand zum Alltag, Alltag zum Widerstand! Greift die Nazis an, wo ihr sie trefft!

Es gibt kein ruhiges Hinterland!
Solidarität mit allen Opfern faschistischer, rassistischer und xenophober Gewalt!
Für die Ausrottung des Faschismus mit all seinen Wurzeln!
Für Eine Welt! Für die soziale Revolution!
Für die Anarchie!

Anarchistische Gruppe Kreis Bergstraße

Neonazi-Überfall auf US-Shop in Mannheim

US-Shop

Am Samstag, den 17.01.09 wurde der US-Shop in Mannheim Opfer eines organisierten Überfalls vermeintlicher Neonazis. Diese stürmten in einem Mob von 30-40 vermummten und mit Ketten und Baseballschlägern bewaffneten Personen in den Laden und fingen augenblicklich an mit Eiern um sich zu werfen und alles zu zerstören was in ihrer Reichweite war. Der zu diesem Zeitpunkt im Laden befindliche Mitarbeiter konnte gefährlichen Angriffen auf seine Person nur ausweichen, indem er ins Obergeschoss flüchtete, wo er sich mit einem anderen Mitarbeiter hinter einer Tür verbarrikadierte. Nachdem sie im Laden gewütet hatten, traten die Neonazis den Rückzug an und flüchteten in verschiedene Richtungen.
Bei dem Überfall gingen u.a. mehrere Schaufensterscheiben zu Bruch und der Sachschaden wird auf ca. 10000 Euro geschätzt.
Später konnte die Polizei 17 Verdächtige festsetzen. Es handelte sich dabei um vorwiegend aus Hessen und Rheinland-Pfalz stammende Rechtsextreme.

Beim US-Shop handelt es sich um einen Szene-Laden der bevorzugt linke Kleidung und Accessories verkauft. Außerdem wird gerne Werbung für linke Veranstaltungen, wie die Demo am selben Tag gegen Nazis und ihre Läden, gemacht. Gerade das hier offen gegen rechtes Gedankengut vorgegangen wird, hat diesen Laden zur Zielscheibe gemacht. So wurden desöfteren Nazis des Ladens verwiesen, wenn diese offen, z.b. anhand von Thor-Steinar-Kleidung, zu erkennen waren.

Dass es sich bei diesem feigen Angriff um eine Neonazi-Überfall handeln muss, wird klar, wenn man den Kontext zur Ladenschluss-Demo in Ludwigshafen am gleichen Tag sieht. Mit der Kündigung des Ladens „Streetwear-Company“ von Malte Redeker durch den Vermieter hat die Kampagne des Bündnis Ladenschluss, die sich mit der Demo ihrem vorläufigen Höhepunkt näherte, bereits einen ersten Erfolg gegen die Nazis und die unfähige Stadtverwaltung errungen, die sich nicht in der Lage sah, gegen die Läden entsprechend vorzugehen.
Dass die Nazis ihren Szenetreffpunkt nicht freiwillig und ohne Widerstand räumen würden, war zu erwarten gewesen. Dass sie die Gunst der Stunde nutzen würden, um auf sich aufmerksam zu machen oder zumindest Informationen über antifaschistische Zusammenhänge sammeln, war auch noch zu erwarten. So war im Vorfeld die Anreise in Gruppen empfohlen worden, um nicht kleinen Nazigruppen, die sich zweifelsohne in der Stadt tummelten, vor die Flinte zu laufen.
Mit einem solch brutalen Racheakt an einem offen antifaschistischen Laden, abseits jeder antifaschistischen Manifestation, konnte aber niemand rechnen. Die rechte Szene hat erneut ihre Gefährlichkeit, ihr Gewaltpotential und ihre Handlungsfähigkeit unter Beweis gestellt.

So konnte es der besagten Gruppe von Neonazis gelingen,einen Treffpunkt auszumachen, sich dort zusammenzufinden, gemeinsam nach Mannheim zu fahren, den Überfall durchzuführen und zum Großteil unerkannt zu verschwinden. Anreisende Antifaschisten berichteten davon, dass sie beobachten konnten, wie sich mehrere Wagen mit Nazis bei einer Rastätte bei Bensheim sammelten.
An den Ordnungsbehörden scheint dieser organisierte Überfall vorbeigegangen zu sein. So war die erste Vermutung, die diese bestätigt wissen wollten, ob es denn nicht linke Extremisten gewesen sein könnten. Offenbar hat man da ganz schnell geschalten und eine Verbindung zwischen der Demo in LU und dem Überfall ausgemacht. Aus dieser Interpretation lassen sich dann auch leicht die bei Polizei und Ordnungsorganen vorherrschenden Denkmuster ableiten. So wird grundsätzlich nicht zwischen unterdrückender und befreiender Gewalt unterschieden. Dass aus dieser Sichtweise heraus ein antifaschistischer Spaziergang von 50 Personen, der der Information der Anwohner gilt, zur Gefahr wird und mit einer Einsatz-Hundertschaft begleitet werden muss, überrascht dann nicht mehr.

Dieser organisierte Überfall lässt erahnen, welches Gewaltpotenzial den Neonazi-Gruppierungen in der Region zu Grunde liegt. Es sind vor allem das Aktionsbüro Rhein-Neckar, sowie verschiedene Kameradschaften, die immer wieder durch faschistische Propaganda auffallen. Mehrere hochrangige Kader wohnen in der Umgebung, so z.B. der Nazi-Hool Christian Hehl (Mannheim), der das Verbindungsstück zwischen Kameradschaften und NPD darstellt und Rene-Rodriguez Teufer (Viernheim), Aktivist in der Rechtsrock-Szene und in den freien Kameradschaften, außerdem Landtagskandidat der NPD 2005. Mit dieser Mischung aus hochrangigen Kadern und stabiler Struktur wie Treffpunkten, Konzerten und eben ihren Läden bietet die Nazi-Szene der Region Rhein-Neckar einen attraktiven Anlaufpunkt für Jungrassisten und Kaderschmieden für Altrassisten. Es ist keine Seltenheit, das Personen einzig deswegen hier her ziehen, weil sie bereits Strukturen vorfinden, in die sie sich einbringen können. Mit der Kündigung von „Streetwear-Company“ scheint es einen ersten Erfolg in der Sabotage dieser Strukturen zu geben. Jetzt kommt es darauf an, sich nicht auf dem erreichten auszuruhen, sondern weiterzumachen. Zeigen wir den Nazis, dass sie und ihre menschenverachtende Ideologie nicht erwünscht sind. Immer und überall!

Solidarität mit dem US-Shop!
Solidarität mit allen Opfern von Nazi-Gewalt!
Gegen Nazi-Gewalt! Hier und überall!

Anarchistische Gruppe [KB]