Antikapitalistischer Aufruf zur Bildungsstreikdemo der Antifaschistischen Jugend Ludwigshafen/Mannheim

Im Folgenden ist der antikapitalistische Aufruf der Antifaschistischen Jugend Ludwigshafen/Mannheim zur Bildungsstreikdemo in Mannheim am 04.12.2009 dokumentiert. Wir, d.h. die Anarchistische Gruppe Bergstraße unterstützen diesen Aufruf und rufen folglich ebenfalls zur antikapitalistischen Teilnahme an der Demo in Mannheim und den Bildungsprotesten allgemein auf.
Es folgt nun der Aufruf der Antifaschistischen Jugend Ludwigshafen/Mannheim:

Freie Bildung geht nur ohne Kapitalismus – Aufruf zur Antikapitalistischen Teilnahme an der Bildungsstreikdemonstration in Mannheim

Die Bedingungen sind hinderlich…

Studiengebühren, die Einführung von Bologna, Bachelor,- und Masterstudiengänge in den Unis und die Einführung von G8, das dreigliedrige Schulsystem und Lehrermangel an den Schulen – das Bildungssystem steckt tief in der Krise. Das tut es zwar nicht erst seit gestern, dennoch spitzt sich die Lage stetig zu. An den Schulen herrschen Leistungs,- und Anpassungsdruck, wer nicht mitkommt bleibt auf der Strecke. G8, das heißt die Verkürzung der Vorbereitungszeit für das Bestehen der Hochschulreife um 1 Jahr, verschlimmert die Situation noch um einiges. Die Selbstbestimmung und vor allem das selbstbestimmte Lernen werden immer mehr unterdrückt. Schülerinnen und Schüler haben schlicht und einfach keine Zeit mehr sich Gedanken zu machen über dies oder jenes, ob das hier gerade gerecht zugeht oder was für Alternativen es den herrschenden Verhältnissen gegenüber gibt. Und wenn man mal zum nachdenken kommen sollte, wo bleibt denn dann noch die Zeit zum planen und handeln?! Die Schulbildung im kapitalistischen System bedeutet das „Fit machen für den Arbeitsmarkt“. Sie bedeutet den Menschen mit einem angeblichen „Wert“ zu füllen oder zu brandmarken, ihn so weit wie möglich tauglich zu machen für den kapitalistischen Markt, oder ihn als untauglich für diesen zu befinden. Nach Beendigung des Schulwerdegangs bleibt den meisten eigentlich nur noch der Einstieg in die Arbeitswelt, wobei diesen Menschen weiterer Zugang zu Bildungsmöglichkeiten meist verwert bleibt oder dieser zumindest sehr schwer zu erreichen und mit hohen Kosten belastet ist. Bei den Angeboten handelt es sich natürlich fast ausnahmslos um rein marktorientierte Bildungs,- bzw. Fortbildungsmöglichkeiten. Menschen ohne Schulabschluss oder mit einem Abschluss der für die kapitalistische Konkurrenzgesellschaft schlecht verwertbar ist bleiben meist ohne Arbeit und müssen sich mit Ämterschikane und sozialer Ausgrenzung arrangieren. Natürlich trifft Arbeitslosigkeit nicht nur Menschen ohne Schulabschluss, sondern auch Menschen die schon jahrelang arbeiten, Auszubildende werden nicht übernommen und die Bologna Reform macht es auch Studiumsabsolventen immer schwerer eine Beschäftigung zu finden. Der Großteil derer die arbeiten haben darum natürlich nicht in ein großes Stück Kuchen gebissen, sondern werden schlecht bezahlt, haben kaum Mitbestimmungsrecht in den Betrieben und sind der kapitalistischen Produktionsweise und Verwertungspraxisrelativ schutzlos ausgeliefert. Auch an den Unis sind die Wirkungen kapitalistischer Wirtschaft mehr als spürbar. Auch die Studenten und Studentinnen haben immer mehr mit Kürzungen am Etat für die Bildung, der Abwälzung des kapitalistischen Schuldenberges auf die Kassen des Einzelnen an der Uni und immer größeren Einschnitten in der Selbstbestimmtheit des Studierens zu kämpfen. Die Bologna Reform, maßgeblich durch die Einführung der neuen Studiengänge (Bachelor und Master), ist letztendlich was G8 für die Schüler und Schülerinnen ist. Eine Komprimierung des eigentlich anzueignenden Wissens in den jeweiligen Fächern und einhergehend damit eine hohe Steigerung der Leistungsanforderungen an die Studierenden. Zusätzlich fallen die meisten Studenten und Studentinnen nicht raus aus dem Arbeitsmarkt, sondern versuchen sich das Studium überhaupt finanzieren zu können. Es wird Geld benötigt für die Studiengebühren, für Leistungsanforderungen wie den Semesterschein und Lehrmittel, gegebenenfalls noch für die eigene Wohnung, den Anteil an die WG, die eigene Versorgung usw. Viel Freizeit und Möglichkeiten zum selbstbestimmten Leben bleiben da auch nicht, neben dem 400 Euro Job, der Uni und dem Lernen und all dem anderem aufgezwungenem Kram der in dieser kapitalistischen Leistungsgesellschaft noch Zwangsteilnahme bedeutet. BAföG oder Studienkredite sind da nur Tropfen auf dem heißen Pflaster(Stein). Staatliche „Unterstützungsmaßnahmen“ sind erstens zumeist schwer erreichbar, selten in den vollen Maßen auszuschöpfen und auch ungerecht verteilt, des Weiteren sind sie systemimmanente Reaktion des Staates auf kapitalistische Dauerkrise. Außerdem ist man weitgehend rückzahlungspflichtig und speist sich so schon frühzeitig für das spätere Arbeitsleben in die kapitalistische Schuldenbewältigung ein. Unter solchen Bedingungen haben viele Menschen zwar nach ihrem Schulabschluss sachlich die Möglichkeit zu studieren, an realen Lebensbedingungen gemessen ist es aber oft nicht machbar. Also nix’ mit freiem Lernen an Schule und Universität – eher ungerechte Verteilungen, Perspektivlosigkeit, Zahlungsunfähigkeit.

…doch nichts ist unveränderlich!

Gegen solche Zustände muss auf die Straße gegangen werden – und das wird es auch. Die Bildungsproteste gehen jetzt schon in die dritte Runde und werden dabei immer schwungvoller, kreativer und lauter. Sie sollen auch bunter und lauter werden, nur müssen sie auch klar an antikapitalistischer Perspektive gewinnen. Es kann nicht nur gegen das prekäre Bildungssystem gehen, sondern Kritik und Praxis müssen das ganze Unterdrückungs, -und Herrschaftsverhältnis angreifen. Es muss lautstark dem Kapitalismus eine Absage erteilt werden und gleichzeitig müssen reaktionäre Bestrebungen angegriffen werden. Das heißt konkret den Protest nicht nur einspurig zu fahren, sondern sich an sozialen Diskussionen, Auseinandersetzungen und Kämpfen zu beteiligen und, überall wo solche auftreten, reaktionäre Tendenzen anzugreifen und zurückzuschlagen. Es muss verhindert werden, dass Nazis und andere Faschisten durch kapitalistische Krise und staatlich mitpropagierten Nationaltaumel gestärkt werden. Natürlich muss zugleich eben dieser frisch gestärkte Nationalismus in der Masse der Gesellschaft theoretisch, wie praktisch angegriffen werden. Letztendlich geht es nämlich um den Kampf ums Ganze. Das bedeutet: lasst uns gemeinsam die Rahmenbedingungen einreißen, nämlich Staat, Nation und Kapitalismus. Für die soziale Revolution!

Für eine Antikapitalistische Beteiligung an den Bildungsstreikprotesten!

Demonstration in Mannheim am Freitag dem 04.12.2009
Treffpunkt 1: Schloss
Treffpunkt 2: Schafweide (Neckarstadt-Ost)
Jeweils um 11:00 Uhr • Mannheim

Aufruf der Antifaschistischen Jugend Ludwigshafen/Mannheim

Der Aufruf wird unterstützt von der Anarchistischen Gruppe Bergstraße