Demonstration in Heidelberg als Teil der globalen Aktionswoche für emanzipatorische Bildung

Free Your Education! Make Revolution!

Am Montag dem 20.04.2009 fand in Heidelberg eine Demonstration gegen die Bildungsmisere und für freie Bildung statt, die mit gut 400 Leuten besser besucht war, als es im Vorfeld erwartet wurde. Das organisierende Bündnis war sehr breit, von Studierendengruppen, Schüler/innengruppen (die kritische Schülerinitiative), der GEW und der Heidelberger Montagsdemo. Das diese Demonstration auch von der Montagsdemo angemeldet wurde, war als Grund für die relativ wenigen und anscheinend auch, von der Größe der Demo, überraschten Bullen, die die Demo begleiteten, öfters als Vermutung geäußert wurde. Neben dem organisierendem Bündnis riefen aber auch verschiedene autonome, antifaschistische und anarchistische Gruppen auf an der Demonstration teilzunehmen um die emanzipatorische Praxis zu unterstützen, aber vor allem auch um revolutionäre Inhalte zu vermitteln. Konkret richteten sich die Demonstranten gegen z.B. Studiengebühren und Bildungsblockaden (z.B. das dreigliedrige Schulsystem) und forderten lautstark freie Bildung für Jeden und zwar umsonst. Manche Demonstranten empfanden diese Forderungen und Kritikpunkte zwar als gerechtfertigt, aber teilweise verkürzt und ergänzten die Inhalte mit Forderungen wie „Alles für Alle und zwar umsonst“ oder „No Borders, No Nations – Free Education“, die dann aber auch schnell bei den meisten Demonstrierenden Konsens wurden, zumindest im vorderen Teil der Demo. Die Demo war laut und von dem typischen Heidelberger Rießenlauti begleitet, den wir schon von der Nachttanzdemo für Freiräume letztes Jahr kannten. Die Außenwirkung war sehr gut und es konnte einfach Kontakt zu Passanten aufgenommen werden, was auch daran lag, dass die Bullen in so geringer Zahl vertreten waren. Es wurden spontane Sitzblockaden und Sprints eingelegt, die die kämpferische Mentalität der Demo bestätigten. Nach dem ersten Sprint, bei dem versucht wurde das Bullenauto zu überholen, welches immer vor der Demo kroch, waren Toto und Harry ein wenig angepisst, schienen aber anscheinend zu wissen, dass sie sich nicht hätten durchsetzen können. Kurz vor Ende der Demonstration kamen wir noch bei Heidelberger Burschenschaftshäuern vorbei, die dann beklebt wurden und deren Insassen lauthals den Unmut der Demonstranten zu hören bekamen. Mit Sprechrufen wurde klar gemacht, dass diese Demonstration und die mit ihr verbundenen Inhalte nicht vereinbar sind mit Bildungselitären Rassisten und Nationalisten. Die Demo endete vor der Uni, wo darauffolgend noch eine Diskussion stattfand wie die Proteste weiterzuführen seien. Auf der Demonstration gab es 3 Kundgebungen. Glücklicherweise wurde in den überraschend positiv zu bewertenden Redebeiträgen auch auf die Zusammenhänge der neoliberalen, kapitalistischen Ausbeutungsmechanismen mit der fortschreitenden Bildungsmisere aufmerksam gemacht (wie z.B. die Behandlung von Bildung als Ware unter anderem durch Privatisierungsvorgänge) und es wurde sich auch in diesem Zusammenhang für Solidarität und einem gemeinsamen Vorgehen mit sozialen Bewegungen ausgesprochen. Die Problematik die die Studenten/innen und Schüler/innen immer härter trifft ist nämlich keine die isoliert zu lösen ist, sondern die den beiden zusammenwirkenden Unterdrückungskonstrukten, welche es anzugreifen gilt, zuzuordnen ist, den widerlichen Zuständen von Kapitalismus und Nation. Darum rufen wir die linksradikale, revolutionäre und partei- und parlamentsunabhängige Bewegung dazu auf die weiteren Bildungsproteste, wie z.B. den Schülerstreik im Juni, zu unterstützen und die geschaffene Basis für revolutionäre Politikvermittlung zu nutzen. Die radikale Linke muss sich endlich dazu entschließen Arbeiter/innen Streiks und Proteste, genauso wie diese Bildungsproteste, mehr zur Inhaltsvermittlung zu nutzen um Reaktionären, Apathischen Zuständen und Lebensverdrossenheit besser entgegenwirken zu können. Nur so kann sie letztlich die Basis erreichen, die Nötig ist um revolutionäre Möglichkeiten zu erreichen. Ein Mitglied der FAU hatte im letzten Winter in Mannheim (im ASV bei einer Veranstaltung der AGM) auch über den Umgang der radikalen Linken mit den eigentlich potentiellen Mitstreitern bei den Arbeitern und Arbeiterinnen, den Studierenden, der Jugend, Schülern und Schülerinnen, referiert und in der anschließenden Diskussion kam die Interessante These auf, dass die radikale Linke in die genannte Richtung Berührungsängste hat, da sie zu viel reaktionäres Gedankengut ohnehin schon erwartet und einfach keine Lust darauf hat. Diese Isolation im revolutionären Kampf ist nicht angebracht, da sie diesem schadet. Den schon in der gesamten Gesellschaft durchsetzt anwesenden reaktionären Tendenzen und Ausrichtungen muss praktisch entgegengewirkt werden, so kann auch Hand in Hand dazu, durch die Vermittlung emanzipatorischer und progressiver Politik, die revolutionäre Basis geschaffen werden um dem Menschen und seiner Umwelt ein selbstbestimmtes und freies Leben zu ermöglichen, jenseits von Staat, Nation und Kapital. Her mit der freien Assoziation! Für die soziale Revolution!

Anarchistische Gruppe Kreis Bergstraße