Archiv für Januar 2009

Neonazi-Überfall auf US-Shop in Mannheim

US-Shop

Am Samstag, den 17.01.09 wurde der US-Shop in Mannheim Opfer eines organisierten Überfalls vermeintlicher Neonazis. Diese stürmten in einem Mob von 30-40 vermummten und mit Ketten und Baseballschlägern bewaffneten Personen in den Laden und fingen augenblicklich an mit Eiern um sich zu werfen und alles zu zerstören was in ihrer Reichweite war. Der zu diesem Zeitpunkt im Laden befindliche Mitarbeiter konnte gefährlichen Angriffen auf seine Person nur ausweichen, indem er ins Obergeschoss flüchtete, wo er sich mit einem anderen Mitarbeiter hinter einer Tür verbarrikadierte. Nachdem sie im Laden gewütet hatten, traten die Neonazis den Rückzug an und flüchteten in verschiedene Richtungen.
Bei dem Überfall gingen u.a. mehrere Schaufensterscheiben zu Bruch und der Sachschaden wird auf ca. 10000 Euro geschätzt.
Später konnte die Polizei 17 Verdächtige festsetzen. Es handelte sich dabei um vorwiegend aus Hessen und Rheinland-Pfalz stammende Rechtsextreme.

Beim US-Shop handelt es sich um einen Szene-Laden der bevorzugt linke Kleidung und Accessories verkauft. Außerdem wird gerne Werbung für linke Veranstaltungen, wie die Demo am selben Tag gegen Nazis und ihre Läden, gemacht. Gerade das hier offen gegen rechtes Gedankengut vorgegangen wird, hat diesen Laden zur Zielscheibe gemacht. So wurden desöfteren Nazis des Ladens verwiesen, wenn diese offen, z.b. anhand von Thor-Steinar-Kleidung, zu erkennen waren.

Dass es sich bei diesem feigen Angriff um eine Neonazi-Überfall handeln muss, wird klar, wenn man den Kontext zur Ladenschluss-Demo in Ludwigshafen am gleichen Tag sieht. Mit der Kündigung des Ladens „Streetwear-Company“ von Malte Redeker durch den Vermieter hat die Kampagne des Bündnis Ladenschluss, die sich mit der Demo ihrem vorläufigen Höhepunkt näherte, bereits einen ersten Erfolg gegen die Nazis und die unfähige Stadtverwaltung errungen, die sich nicht in der Lage sah, gegen die Läden entsprechend vorzugehen.
Dass die Nazis ihren Szenetreffpunkt nicht freiwillig und ohne Widerstand räumen würden, war zu erwarten gewesen. Dass sie die Gunst der Stunde nutzen würden, um auf sich aufmerksam zu machen oder zumindest Informationen über antifaschistische Zusammenhänge sammeln, war auch noch zu erwarten. So war im Vorfeld die Anreise in Gruppen empfohlen worden, um nicht kleinen Nazigruppen, die sich zweifelsohne in der Stadt tummelten, vor die Flinte zu laufen.
Mit einem solch brutalen Racheakt an einem offen antifaschistischen Laden, abseits jeder antifaschistischen Manifestation, konnte aber niemand rechnen. Die rechte Szene hat erneut ihre Gefährlichkeit, ihr Gewaltpotential und ihre Handlungsfähigkeit unter Beweis gestellt.

So konnte es der besagten Gruppe von Neonazis gelingen,einen Treffpunkt auszumachen, sich dort zusammenzufinden, gemeinsam nach Mannheim zu fahren, den Überfall durchzuführen und zum Großteil unerkannt zu verschwinden. Anreisende Antifaschisten berichteten davon, dass sie beobachten konnten, wie sich mehrere Wagen mit Nazis bei einer Rastätte bei Bensheim sammelten.
An den Ordnungsbehörden scheint dieser organisierte Überfall vorbeigegangen zu sein. So war die erste Vermutung, die diese bestätigt wissen wollten, ob es denn nicht linke Extremisten gewesen sein könnten. Offenbar hat man da ganz schnell geschalten und eine Verbindung zwischen der Demo in LU und dem Überfall ausgemacht. Aus dieser Interpretation lassen sich dann auch leicht die bei Polizei und Ordnungsorganen vorherrschenden Denkmuster ableiten. So wird grundsätzlich nicht zwischen unterdrückender und befreiender Gewalt unterschieden. Dass aus dieser Sichtweise heraus ein antifaschistischer Spaziergang von 50 Personen, der der Information der Anwohner gilt, zur Gefahr wird und mit einer Einsatz-Hundertschaft begleitet werden muss, überrascht dann nicht mehr.

Dieser organisierte Überfall lässt erahnen, welches Gewaltpotenzial den Neonazi-Gruppierungen in der Region zu Grunde liegt. Es sind vor allem das Aktionsbüro Rhein-Neckar, sowie verschiedene Kameradschaften, die immer wieder durch faschistische Propaganda auffallen. Mehrere hochrangige Kader wohnen in der Umgebung, so z.B. der Nazi-Hool Christian Hehl (Mannheim), der das Verbindungsstück zwischen Kameradschaften und NPD darstellt und Rene-Rodriguez Teufer (Viernheim), Aktivist in der Rechtsrock-Szene und in den freien Kameradschaften, außerdem Landtagskandidat der NPD 2005. Mit dieser Mischung aus hochrangigen Kadern und stabiler Struktur wie Treffpunkten, Konzerten und eben ihren Läden bietet die Nazi-Szene der Region Rhein-Neckar einen attraktiven Anlaufpunkt für Jungrassisten und Kaderschmieden für Altrassisten. Es ist keine Seltenheit, das Personen einzig deswegen hier her ziehen, weil sie bereits Strukturen vorfinden, in die sie sich einbringen können. Mit der Kündigung von „Streetwear-Company“ scheint es einen ersten Erfolg in der Sabotage dieser Strukturen zu geben. Jetzt kommt es darauf an, sich nicht auf dem erreichten auszuruhen, sondern weiterzumachen. Zeigen wir den Nazis, dass sie und ihre menschenverachtende Ideologie nicht erwünscht sind. Immer und überall!

Solidarität mit dem US-Shop!
Solidarität mit allen Opfern von Nazi-Gewalt!
Gegen Nazi-Gewalt! Hier und überall!

Anarchistische Gruppe [KB]